Baur

DAS GEBÄUDE

Das am Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Herrenhaus in der Rue Munier-Romilly wurde kurz vor seinem Tod von Alfred Baur erworben, der seine Sammlungen asiatischer Kunst der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Er hatte hier den intimen Rahmen gefunden, der es ihm ermöglichen sollte, ein Museum zu errichten, in dem die Besucher „nicht den Eindruck eines Museums, sondern eher den eines Privathauses haben sollten, in dem die Kunstgegenstände mit Musse betrachtet werden können“.

In den frühen 1950er Jahren erstellte das Architekturbüro Tréand père et fils Pläne für den Umbau des Gebäudes. Dieser wurde jedoch erst ab 1963 in Angriff genommen und Dr. Christoph Bernoulli aus Basel wurde mit der Innenausstattung beauftragt. Die Räume und Vitrinen wurden den auszustellenden Werken angepasst; das Erdgeschoss und der erste Stock wurden luxuriös eingerichtet. Chinesische Teppiche, englische, französische oder chinesische Möbel, Holzvertäfelungen im Stil Ludwigs XVI. und Vitrinen aus Mahagoni oder oxidiertem Metall sorgen für die intime Atmosphäre und die persönliche Note, die Herrn und Frau Baur so sehr am Herzen lagen. Im Erdgeschoss sind die Keramiken der Tang-, Song- und Ming-Dynastien sowie die Jaden ausgestellt; im ersten Stock die kaiserlichen Keramiken der Qing-Dynastie. Das zweite Stockwerk, das man über eine Treppe mit rot lackiertem Holzgeländer erreicht, ist der japanischen Kunst vorbehalten. In diesen Räumen werden Kakiemon-, Imari- und Nabeshima-Porzellan sowie Schwertschmuck, Netsuke, Drucke, Lackschreibtische und andere Inro ausgestellt. Am 9. Oktober 1964 wurden die Baur-Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1995 wurde der Architekt Joël Jousson in Zusammenarbeit mit dem Büro Baillif & Loponte mit umfangreichen Erweiterungsarbeiten beauftragt, um das gesamte Untergeschoss auszubauen. Dadurch entstanden Räume für Sonderausstellungen, die mit prächtigen Materialien verkleidet wurden, und ein für den universitären Unterricht in Kunstgeschichte ausgestatteten Seminarraum. Dieser Erweiterungsbau wurde am 4. Dezember 1997 eingeweiht.

Aufgrund der mangelnden Isolierung der Aussenwände sowie des veralteten Mobiliars wurde 2008 unter der Leitung des Genfer Architekturbüros Bassi & Carella eine umfassende Renovierung der Räume für japanische Kunst im zweiten Stockwerk in Angriff genommen. Die neuen Räume, die im September 2010 dem Publikum zugänglich gemacht wurden, vergrösserten die verfügbare Ausstellungsfläche erheblich und ermöglichten es, bestimmte Kategorien wie Satsuma-Steinzeug und Cloisonné-Kunst zu präsentieren, die zuvor nicht zu sehen waren. Eine eigens entworfene Vitrine ermöglicht es ausserdem, Alfred Baurs bedeutende Sammlung japanischer Drucke turnusmässig auszustellen. Schliesslich werden diese japanischen Räume durch einen mit Tatami-Matten ausgelegten und einem Teezimmer nachempfundenen Raum ergänzt, in dem Gegenstände – Kalligraphie, Blumenvase, Teekessel, Schalen – ausgestellt werden, die zur Vorbereitung der japanischen Teezeremonie dienen. In all diesen Räumen finden sich die Eleganz und Exzellenz wieder, die die vorangegangenen Arbeiten bestimmt und zur einzigartigen Atmosphäre des Museums geführt hatten.